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Stuhlinkontinenz heisst eine eingeschränkte oder fehlende
Fähigkeit, den Abgang von Gas, Flüssigkeit oder
Stuhl durch den After zu kontrollieren. Stuhlinkontinenz ist
ein Leiden, das wir nicht häufig sehen. Das heisst aber
nicht, dass es selten wäre, sondern eher, dass die Patienten
über ihr Problem nicht sprechen möchten. Das ist
schade, denn in einer Vielzahl der Fälle kann den Patienten
geholfen werden. Häufig verschlimmern sich die Beschwerden
auch mit dem Älterwerden und sind dann schlechter zu
lindern. Es wird zwischen Feinkontinenzstörung (leichtes
Stuhlschmieren oder Schleimabgänge mit Entzündung
der Haut um den After) und Grobkontinenzstörung (gänzliches
Unvermögen Stuhl zurückzuhalten) unterschieden.
Einige Patienten leiden unter plötzlich auftretendem
Stuhldrang, wobei es dann manchmal nicht mehr bis zur Toilette
reicht. Diese Probleme sind meist recht komplex und bedürfen
einer aufwendigen Abklärung, weil deren Ursachen äusserst
vielfältig sein können.
Mögliche Ursachen für Inkontinenz:
- Hämorrhoiden
- Zustand nach Geburt mit Schliessmuskelverletzung
- Geschwulst im Analkanal
- Zustand nach Abszess mit verbliebenem Gang (Fistel)
- Nervenstörung (angeboren oder im Laufe des Lebens
erworben)
- Zustand nach Operation (Beispielsweise Dickdarmgeschwulst)
- Gewebeschwäche mit Beckenbodensenkung und Darmvorfall
- Psychische Faktoren
Die Abklärungen beinhalten ein ausführliches Gespräch
mit dem Spezialarzt im Rahmen unserer chirurgischen Sprechstunden.
Anschliessend untersucht der Arzt den Analbereich und führt
eine Enddarmspiegelung durch. Nun kann die Durchführung
eines Enddarm-Ultraschalls nötig werden. In speziellen
Fällen muss eine aufwendige Nerven- und Muskeltestung
durch unsere Nervenspezialisten gemacht werden. Eine äusserst
informative Untersuchung ist die sogenannte MRI-Defäkographie. Bei dieser Untersuchung wird das Auspressen von Kontrastmittel
aus dem Enddarm mit einer ausgefeilten Technik in der "Röhre"
dokumentiert. Dabei kann der Arzt dann das Zusammenspiel der
verschiedenen Muskeln und des Darmes verfolgen und so die
Störung meist genau erkennen. Erst jetzt kann der Arzt
entscheiden, welche Therapie im jeweiligen Fall erfolgsversprechend
ist. Es gibt ganz einfache Möglichkeiten wie Stuhlregulation
oder Beckenbodentraining, aufwendigere wie Hämorrhoidenoperation,
Fisteloperation und komplizierte Operationen, die viel Spezialkenntnisse
erfordern.
Entscheidend ist aber, dass der Patient sich dem Arzt anvertraut,
anstatt sich mit seinem Leiden zurückzuziehen.
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